Wenn es dunkel wird

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Wenn es dunkel wird

Beitrag  Joseph am Di 6 Feb - 19:24

Stille lastete wie ein dumpfes Tuch über den Zimmern des geschmackvoll eingerichteten Hauses. Das Licht, das tagsüber durch die großzügigen Fenster fiel, war mit dem Sonnenuntergang grauer Dunkelheit gewichen. Auf dem Küchentresen schlummerte eine Katze, deren Träume nicht belastet wurden vom Wissen, dass sie hier nicht liegen durfte.
Plötzlich ruckte der Kopf des Tieres hoch und mit einem Maunzen sprang sie von dem Tresen und trabte in wiegendem Gang zur Wohnungstür, wo ein Schlüssel im Schloss rappelte.
Joseph öffnete die Tür und betrat sein Haus. Er warf die Post auf die Anrichte und bückte sich kurz nach der Katze, um sie zu streicheln. Dann ging er in die Küche, wo er ihr etwas zu fressen gab.
Es war ein langer und anstrengender Tag gewesen. Am Vormittag hatte er in seiner Praxis gearbeitet und seine Patienten schienen sich verschworen zu haben, jeden Therapieversuch seinerseits abzublocken. Nachmittags hielt er eine Vorlesung und die anschließende Podiumsdiskussion erwies sich als besonders nervig und unergiebig.
Joseph streckte seinen Rücken durch und ächzte, als sich seine verspannten Muskeln schmerzhaft der Entspannung widersetzten. Ein heißes Bad würde ihm vielleicht gut tun, aber ehrlich gesagt, fühlte er sich zu müde dafür. Morgen würde er wieder früh raus müssen. Ein Glas Whiskey würde hoffentlich die gleiche Wirkung wie das Bad haben.
Noch zwei Tage, bis er wieder etwas Zeit für sich hatte. Dann konnte er wieder mit einer der Frauen zusammen treffen, mit denen er im Keller des Hauses »arbeitete«. Joseph redete sich selbst ein, er würde diese Arbeit nicht für sich selbst tun, sondern um die Bindung der Geister in seinem Geist zu stärken. Starke Emotionen übten eine starke Anziehung auf die Seelen der Verstorbenen aus und bei der Arbeit mit diesen Frauen kam es tatsächlich zu ausgesprochen starken Emotionen. Die Geister seiner Toten wurden dadurch ruhiger, umgänglicher. Leichter zu kontrollieren, aber auch zufriedener.
Joseph versagte sich die Frage, welche Wirkung seine Arbeit auf ihn selbst ausübte.
Der Stress der letzten Tage hatte seine Kontrolle über seine gebundenen Seelen bereits beeinträchtigt. Sie waren unruhig und drängten an die Oberfläche, allen voran sein toter Bruder Elias. Natürlich besaß Joseph noch immer die Oberhand, doch er musste sich konzentrieren, wenn es nicht dazu kommen sollte, dass er etwas tat oder sagte, was nicht wirklich von ihm kam.
Joseph trat zu seinem Medizinschränkchen, um eine Dose mit Schmerztabletten rauszunehmen. Seit der nervtötenden Podiumsdiskussion am Abend hatte er bohrende Kopfschmerzen.
Ob es der Stress war oder die Kopfschmerzen – Joseph fiel es nicht auf, dass seine Hand nach dem falschen Tablettendöschen griff. Statt der Schmerztablette, war es eine starke Schlaftablette, die er nun mit seinem Whiskey runterspülte. Eine Tablette, von der er normalerweise sicher keine Ganze genommen hätte, wenn überhaupt.
Denn Joseph Morgenstern konnte es sich nicht leisten, dass sein Geist betäubt wurde.

***

Stunden später war das Haus von den Schatten der Nacht wieder zurück erobert worden. Joseph schlief tief und fest in seinem Bett. Die Katze hatte sich zu seinen Füßen eingerollt.
Plötzlich richtete sich der schlanke, aber muskulöse Oberkörper gerade auf. Die nun geöffneten Augen wirkten durch die geweiteten Pupillen fast schwarz.
Die Katze hob den Kopf und musterte ihr Herrchen misstrauisch. Dann fauchte sie und floh aus dem Bett.
Der Mann griff zum Nachttisch, knipste die Lampe an und suchte in der Schublade, bis er ein Buch fand. Mit einem unheilvollen Lächeln blätterte er die Seiten des Notizbüchleins durch.
»Hm ...«, murmelte er, schüttelte den Kopf und blätterte weiter.
Wieder zögerte er kurz, um dann weitere Seiten umzuschlagen.
Dann verharrte er.
»Eliza!«
Elias grinste.


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Re: Wenn es dunkel wird

Beitrag  Eliza am Mi 14 Feb - 15:58

Für Eliza war es ein ganz normaler Tag gewesen. So wohl als Ärztin wie auch für die Frau privat.
Ihr Tag begann, wie jeden Morgen der Woche, ausgenommen der Wochenenden, um 6 Uhr.
Morgenmantel über, zum Briefkasten Zeitung holen, Kaffee, der Dank Zeitschaltuhr bereits fertig war, einschenken, das eine Schale Müsli, etwas Obst herrichten, Frühstücken, Zeitung lesen.
Anschließend duschen, anziehen und mit dem Auto zur Parkgarage gegenüber von dem Gebäude, in dem sie arbeitete.

Kaum ein Fuß in der Praxis bekam sie Listen mit Anrufen und Terminen in die Hand. Informationen über Schulungen, Lesungen und Spendenveranstaltungen. Zwei Stapel, die getrennt auf ihren Schreibtisch landeten. Zuerst kümmerte sie sich um den Job, alles andere konnte bis in die Mittagspause oder zu Hause warten. Nachdem sie sich ein Bild über den Tag verschafft hatte, war es Zeit für den ersten Patienten.
Bis zum Mittag arbeitete sie konzentriert durch, abgesehen von einer kleinen Kaffeepause.

Am Mittag ging es in die Kantine wo sie versuchte sich wenigstens Zeitweise gesund zu ernähren.
Heute jedoch landete ein Bananen-Walnuss Muffin mit Schokoladensplittern auf ihrem Tablett.
Nach dem Mittag hatte sie noch ein ganz paar Termine, dann stand der Papierkram an.

Am späten Nachmittag war sie, wie in letzter Zeit öfters, mit ihren Gedanken bei nur einer Person und einem einzigen Thema.
Doktor Joseph Morgenstern und Sex.
Aber nicht nur irgendwie Sex. Sondern... schmerzhafter Sex. Unterwerfung.
Während sie mit Daumen und Zeigefinger den Muffin in ihrer Hand auseinander pflückte, die Füße auf dem Schreibtisch abgelegt, sah sie vor ihrem geistigen Auge das letzte Treffen. Alleine bei der Erinnerung an den Schmerz sog sie kurz zitterig den Atem ein, spürte aber im selben Augenblick wie sie feucht wurde.
„Na großartig.“ seufzte die Rothaarige. Etwas Derartiges passierte ihr in letzter Zeit immer häufiger.

Den Rest des Tages verbrachte Liz damit sich die mitgegebenen Prospekte anzusehen, Nachrichten zu schauen und ihren Terminplaner durchzugehen.
Anschließend, vor dem Abendbrot ging es Joggen, nach dem Abendbrot in die Wanne, nach dem Baden ins Bett.

Auch in dieser Nacht verlief alles, wie die Frau es gewohnt war. Sie musste in der Zeit zwischen 1Uhr und 2Uhr30 zum ersten Mal zur Toilette, das zweite Mal, wenn sie Pech hatte in den Morgenstunden zwischen 5 und 7 Uhr.

Als sie in dieser Nacht aus dem Bad wiederkam, war etwas anders.
Die Rothaarige war der festen Überzeugung etwas zu spüren, sogar einen Schatten gesehen zu haben. War da jemand bei ihr? In ihrem Schlafzimmer?
Das konnte doch gar nicht sein!
„Hallo?“ Fragte sie leise, verspottete sich dann aber selber.
„Als wenn dir jemand Antwortet. Das hier ist echt, du Huhn. Da antwortet dir niemand. Ich bin bestimmt nur überarbeitet.“
Murmelte sie, trat mit großen Schritten in den Raum um das Nachttischlicht einzuschalten oder aber direkt in die Schublade zu greifen, wo sie einen Elektroschocker und Pfefferspray griffbereit aufbewahrte.


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Re: Wenn es dunkel wird

Beitrag  Joseph am Mo 12 März - 23:39

Elias lächelte. Joseph war ein Weichei und ein Angsthase. Zwar stand in seinem Notizbuch die Telefonnummer von Eliza, aber weder von der Rothaarigen noch von irgendeinem anderen seiner Sexkontakte stand dort eine Adresse. Joseph wollte den Kontakt gerne minimieren, alles Persönliche aus der Sache heraushalten. Elias hätte fast verächtlich aufgelacht. Sein Bruder hatte wohl keine Ahnung, wie viel Macht er zum Teil über seine Sexsklavinnen ausüben könnte, wenn er es nur wollte. Joseph wäre ja sogar der Ausdruck Sklavin peinlich gewesen. Sein Bruder wollte keine totale Unterwerfung. Alles, was stattfand, beschränkte sich auf seinen Keller. Davor und danach bewahrte der gute Dr. Morgenstern ein möglichst distanziertes Verhältnis zu den Frauen. Die eine oder andere von ihnen hätte wohl sehr gerne dieses Verhältnis ausgebaut. Ob Eliza zu diesen zählte? Elias wusste es nicht und ehrlich gesagt, war es ihm auch egal. Er machte sich nicht einmal halb so viele Gedanken über das Wohlergehen der Frauen. Aber persönlich konnte es für ihn ruhig werden. Lieber zu viel als zu wenig.
Der Geist von Elias wohnte in dem Körper von Joseph und diese übernatürliche Energie verlieh dem Körper des Doktors gewisse Fähigkeiten. Zum einen war da die beachtliche Langlebigkeit, die er besaß. Aber er war auch deutlich stärker und auch gewandter, als es ein normaler Mensch wäre.
Eine kurze Suche im Internet ließ Elias die Adresse von Eliza herausfinden. Sehr gut, es war gar nicht weit entfernt. Elias würde kein Taxi nehmen, sondern lieber laufen. Er besaß viel zu selten die Kontrolle über diesen Körper und er würde die körperliche Anstrengung genießen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, dann hätten ihm auch gerne unterwegs ein paar Gangmitglieder oder etwas ähnliches Ärger machen können. Er hätte die Gewalt genossen, das war eine seiner liebsten Beschäftigungen.
Seine zweitliebste, um genau zu sein. Er war fest entschlossen, dass Eliza ihm zu seiner liebsten verhelfen würde. Aber auch davor würde es zuerst zu ein wenig Gewalt kommen.

*

Zum Glück schlief die Rothaarige bei offenem Fenster. Elias war im vorletzten Jahrhundert geboren und mit modernen Alarmanlagen oder auch nur Türschlössern kannte er sich nicht aus. Doch als er sich in Elizas Schlafzimmer schleichen wollte, ging doch plötzlich das Licht an. Aber er war keineswegs entdeckt worden, die Rothaarige musste dem Anschein nach nur auf die Toilette. Kurz überlegte er, ihr dorthin zu folgen, entschied sich dann aber dagegen. Stattdessen nutzte er ihre Abwesenheit um in das Zimmer zu huschen und einen schnellen Blick in ihren Nachttisch zu werfen. Er hoffte darin, einen Vibrator oder etwas Ähnliches zu finden und wurde nicht enttäuscht. Zusätzlich fand er einen Elektroschocker, sowie ein Pfefferspray. Schnell steckte er alles in die Taschen seines Mantels, als Eliza auch schon schneller zurückkehrte, als er gedacht hatte. Um ein Haar hätte sie ihn gesehen. Oder hatte sie es sogar?
Er spürte die Ängstlichkeit der Rothaarigen und reagierte darauf mit Erregung. Er grinste unter der Strumpfmaske, die er sich übergezogen hatte und wartete, bis sie das Nachtlicht anschaltete.
»Guten Abend, Eliza«, sagte er, wobei seine Stimme durch den Stoff der Maske gedämpft und verändert wurde.


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Re: Wenn es dunkel wird

Beitrag  Dominik am Do 5 Apr - 18:12

Bitte erstellt eure Themen in den dementsprechenden Bereichen.


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Re: Wenn es dunkel wird

Beitrag  Eliza am Sa 7 Apr - 20:06

Langsam ließ sich die Rothaarige auf den Knien hinter ihrem Bett nieder, um kein zu großes Angriffsziel zu bieten und das Bett als Hindernis zwischen sich und der eventuellen Gefahr zu haben. Leicht zitterten ihre Finger, als diese nach dem Griff der Schublade tasteten, ihn fanden, die Schublade einen Spalt weit öffneten und ins Leere griffen.
Herz, Lungen und Magen verkrampften sich.
„Was wollen sie?!“ die Angst in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Wer auch immer in ihrer Wohnung war, wusste nun das sie das Fehlen des Inhalts der Schublade bemerkt hatte. Es war bei der gespenstischen Stille im Raum nicht zu überhören gewesen, wie Eliza das Möbelstück geöffnet hatte.

Es waren nur Sekunden, wurden von der Ärztin denn noch als qualvoll und unendlich lang empfunden, bis sie den Lichtschalter ihrer Nachttischlampe gefunden hatte, welche nur ein sehr gedämpftes Licht ausstrahlte.
Guten Abend, Eliza.
Wirklich und wahrhaftig stand da jemand auf der anderen Seite ihres Bettes. Ihr erschreckter Aufschrei erfüllte das Zimmer. Es würde sie niemand hören. Alle Wohnungen waren sehr gut schallisoliert.
In derselben Sekunde war die Frau hochgeschnellt, hatte auf dem Absatz kehrtgemacht, floh zurück in ihr Badezimmer, verriegelte die Tür.
Dass der Fremde sie angesprochen hatte, war in ihrem Aufschrei untergegangen. Also wusste sie noch nicht, das der Eindringling ein Mann war. Bei seiner Größe und den vorhandenen Schatten in ihrem Schlafzimmer war beides sehr gut möglich.

Gehetzt wie ein Reh das gejagt wurde, tigerte Eliza in dem Bad auf und ab. Raufte sich die Haare.
//Was mach ich nur, was mache ich nur? Denk nach. Denk nach!//
Ihr Brustkorb fühlte sich an, als hätte sich ein Elefant auf ihr nieder gelassen. Das Herz schlug so stark, dass sie es in den Ohren Pochen hören und im Klopf spüren konnte.
Abrupt blieb die Frau stehen.
Es war so ruhig.
Viel zu ruhig.

Den Atem anhaltend legte sie eine Hand an die Tür, gefolgt von ihrem Ohr. Lauschte. Hörte denn noch nicht mehr als ihren Herzschlag und das da durch verursachte Rauschen.
Dass sie begonnen hatte sowohl vor Angst, wie auch eines gehörigen Adrenalinschubs zu zittern, bemerkte sie nicht.
Zu sehr war sie damit beschäftigt zu lauschen, um ihr Leben zu bangen, vor allem aber zu hoffen.



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